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Keine Zeit verlieren, wenn der „Motor des Lebens" stottert

Kardiologie-Chefärztin Dr. Julia Schumm spricht vor vollem Haus über akute Herzprobleme und das richtige Verhalten im Notfall.

Externe Defibrillatoren sind für den Notfall konzipiert und können von Laien angewendet werden. Das Gerät gibt über Elektroden Stromstöße ab, um den gestörten Herzrhythmus zu normalisieren. Doch wer traut sich, im Notfall tatsächlich einen „Defi“ anzuwenden? Nur Wenige. Das zeigte sich auch beim Vortrag von Dr. Julia Schumm in der Reihe „Ärzte im Dialog“. Die Chefärztin der Kardiologie am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT) erklärte nicht nur die Funktionsweise des menschlichen Herzens sehr anschaulich, sondern machte ihre zahlreichen Zuhörer im voll besetzten Konferenzraum des Klinikums ebenso mit den wichtigsten Notfallmaßnahmen im Falle eines Herzstillstands vertraut.

Dr. Schumm verglich das Herz mit einem Motor und machte deutlich, wie gefährlich es werden kann, wenn dieser nicht mehr richtig arbeitet und Betroffene die damit verbundenen Symptome – vor allem Druckschmerz im Oberkörper – nicht ernstnehmen. Der größte Fehler sei es, bei nächtlichen Herzproblemen bis zum nächsten Morgen abwarten zu wollen, um dann erst den Arzt aufzusuchen. „Rufen Sie sofort die 112“, appellierte sie an die Zuhörer. „Verlieren Sie keine Zeit, wenn es sein könnte, dass es sich um einen Herzinfarkt handelt.“ Denn in einer solchen Situation sei Eile geboten – setzt sich ein Herzkranzgefäß zu, weil sich Ablagerungen an der Gefäßwand lösen und es verstopfen, wird der Herzmuskel nicht mehr durchblutet. Das ist lebensgefährlich. Deshalb sei es auch eine schlechte Idee, einen Betroffenen noch selber in die Klinik fahren zu wollen – unterwegs könne er einen Herzstillstand erleiden, weshalb dringend ein Rettungswagen mit Notarzt gebraucht wird.

Anschaulich erläuterte die Chefärztin, wie es dazu kommt, dass der „Motor des Lebens“ ins Stottern gerät. Ursachen sind vor allem Defekte an Herzklappen und der Elektrik des Herzens, Probleme mit dem Herzmuskel oder zugesetzte Herzkranzgefäße. Risikofaktoren, warnte Schumm, sind vor allem Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes, ebenso Rauchen und Alkoholkonsum. „Das Herz macht am Tag 100.000 Schläge. Es arbeitet ungeheuer viel“, konstatierte sie. In Anbetracht dieser Anstrengung falle erhöhter Blutdruck besonders ins Gewicht, weil das Organ dann „gegen hohen Widerstand“ arbeiten müsse. So könne es kommen, dass mit der Zeit Herzklappen undicht werden, was dazu führe, dass sich Blut zurückstaue und Wasser im Körper einlagere. Die Ärzte sprechen dann von einer „Insuffizienz“. Wenn sich die Klappen nicht mehr richtig öffnen, diagnostizieren sie eine „Stenose“, also eine Verengung.

Die Therapie entzündeter Herzklappen mit Antibiotika sei möglich, aber langwierig, erklärte Dr. Julia Schumm, während bei Herzklappenfehlern, die nicht von Entzündungen herrühren, operiert werden müsse. Dabei seien heute oft minimalinvasive Eingriffe möglich. Bei älteren Patientinnen und Patienten seien zumeist Kathetereingriffe das Mittel der Wahl. Die Medizinerin machte deutlich, dass die Tuttlinger Kardiologen in einem „Heart-Team“, das sich einmal wöchentlich abstimmt, eng mit Kollegen der Uniklinik Freiburg und dem Herzzentrum Bad Krozingen kooperieren. In diesen Online-Konferenzen, in denen auch Bildmaterial ausgetauscht wird, besprechen die Experten der drei Einrichtungen die besten Therapiemöglichkeiten für jeden einzelnen Fall.

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Ein Arzt hält einen Vortrag für Patienten im Konferenzraum