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Vortragsreihe "Ärzte im Dialog"
Nächste Veranstaltungen am Mittwoch, 25.02.2026, 19.00 Uhr: "Hilfe, mein Po tut weh! - Antworten auf Fragen, die keiner zu stellen wagt", Vortrag mit Valery Kravtsunov, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.
Die Veranstaltung findet im Konferenzraum des Klinikums in Tuttlingen statt. Bitte melden Sie sich an.
KLT bricht auf ins robotische Zeitalter
Roboter-Assistenzsystem setzt Maßstäbe in der minimalinvasiven Chirurgie. Diese Woche hat ein Expertenteam des Herstellers die Anlage im OP-Saal 2 installiert.

Die Zukunft am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT) hat begonnen: Ab sofort wird ein Da Vinci XI-System den Operateuren der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und der Gynäkologie dabei helfen, noch präziser und patientenschonender zu arbeiten. Diese Woche wurde im Operationssaal 2 eine Anlage des US-Herstellers Intuitive Surgical installiert. Nach einer Simulations- und Schulungsphase für Chirurgen und OP-Pflege soll im Februar der erste roboterassistierte Eingriff am Tuttlinger Krankenhaus stattfinden.
Roboterassistierte Chirurgie verspricht eine Genauigkeit, die das menschliche Auge und die menschliche Hand allein nicht bieten können. Valery Kravtsunov, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, bezeichnet die Robotertechnik als einen großen Fortschritt gegenüber der minimalinvasiven Methodik und spricht gar von einer „Transformation der Chirurgie“. Der Da Vinci-OP-Roboter habe die minimalinvasive Chirurgie neu definiert. „Ich freue mich sehr, dass wir ein solches System bekommen“, sagt Kravtsunov. Er ist davon überzeugt, dass die Zukunftsfähigkeit des KLT durch den Eintritt ins robotische Zeitalter enorm gestärkt wird.
Fast 6000 Da Vinci-Roboter sind global im Einsatz, in Europa sind es über 900. Entwickelt worden ist das System einst vom Militär, um Soldaten in Krisengebieten über weite Entfernungen hinweg operieren zu können. Doch auch in der zivilen Medizin macht man sich schon seit längerem die Vorteile nutzbar, die die moderne Technologie bietet. So sind sind Schätzungen zufolge bereits mehr als sechs Millionen Patienten allein mit dem OP-Roboter aus den USA operiert worden. Damit ist der Da Vinci innovativ und bewährt zugleich.
Sein Einsatz ist an gewissen Anforderungen geknüpft; der Operateur muss, um die Vorteile nutzen zu können, an einer Steuerkonsole ausgebildet werden. Von hier aus steuert er mit Hilfe eines Joysticks vier feingliedrigen Greifarme des Roboters über dem OP-Tisch. Dabei misst eine Software im virtuellen OP-Training minimale Abweichungen oder Ungenauigkeiten des Operateurs. Erst wenn der Chirurg mit bestmöglicher Punktzahl sein Simulatortraining absolviert hat, bekommt er die Freigabe für Operationen am Patienten.
Gerade für Disziplinen wie die Allgemein- und Viszeralchirurgie oder die Gynäkologie stellt die robotische gegenüber der gegenüber der minimal-invasiven Methodik einen Fortschritt dar. Valery Kravtsunov und seine Leitende Oberärztin Professor Dr. Silke Mertmann sind Experten an der Steuerkonsole des Da Vinci; sie sagen, Schlüsselloch-Operationen im Darm-, Rektum- oder Pankreasbereich können sie mit der High-Tech-Anlage noch präziser durchführen.
Denn Instrumente am Roboter sind an extrem beweglichen Gelenken befestigt, die der menschlichen Hand in puncto Flexibilität weit überlegen sind. Da ihre Bewegungsvielfalt so viel größer ist werden Schnittwinkel an Stellen möglich, die ein Mensch nicht darstellen kann. Außerdem haben die Roboterinstrumente lediglich einen Durchmesser von acht Millimetern. Dadurch werden Einschnitte in den Körper kleiner, und damit auch die Schmerzen, der Blutverlust und die Narbenbildung geringer: Operierte sind schneller wieder fit.
Auch für die Operateure bringt die Anlage Vorteile. Weil sie nicht mehr die ganze Zeit am OP-Tisch stehen, sondern an der Bedienkonsole sitzen können, sinkt ihre körperliche Belastung. Auf einem Monitor haben sie das Operationsfeld im Blick – mit einer bis zu 16-fachen Vergrößerung. Zeitgleich überwacht ein Team am Patienten die Bewegungen der Maschine, die der Operateur steuert. Er trägt auch weiterhin die Verantwortung, verfügt allerdings über ein hoch entwickeltes Präzisionsinstrument. Es ist herkömmlichen Instrumenten wie Skalpell oder Laparaskop auch deswegen überlegen, weil die Kamerabilder mit zuvor erstellten radiologischen Daten zusammengeführt werden können. So entsteht eine Art virtuelle Realität, die dem Operateur ermöglicht, im dreidimensionalen Raum zu agieren. Damit hat er auch in schlecht zugänglichen Körperzonen des Patienten einen besseren Überblick und kann die Instrumente einfach präziser einsetzen.
So können selbst hervorragende Chirurgen, wie sie das Klinikum Landkreis Tuttlingen beschäftigt, noch bessere Ergebnisse erzielen. Chefarzt Kravtsunov betont allerdings, dass auch in der neuen Ära der robotischen Chirurgie nach wie vor der Faktor „Mensch“ entscheidend sei. Es sei Aufgabe der Ärzte, einzelfallbezogen die jeweils beste OP-Technik auszuwählen. Denn tatsächlich ist Robotik nicht immer das Verfahren der Wahl.
Hier sehen Sie ein Video zum Thema.
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