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Moderne Endoskopie ersetzt heute häufig den Bauchschnitt
Dr. Jürgen Schmidt, Chefarzt der Gastroenterologie, erklärt die patientenschonenden Diagnose und Therapieverfahren in seinem Bereich.

„Gallenwegserkrankungen im Griff“ – so lautete der Titel, den Dr. Jürgen Schmidt für seinen Vortrag gewählt hatte. Und so ist es auch. Der Chefarzt der Gastroenterologie schilderte sehr anschaulich, wie er und seine ärztlichen Kollegen mit modernen Diagnose- und Behandlungstechniken am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT) Patienten helfen, die als Notfälle eingeliefert werden, weil sie unter äußerst schmerzhaften Koliken leiden. Die Ursachen dafür sind meist Gallensteine oder eine Gallenblasenentzündung.
Doch wie entstehen Gallensteine überhaupt? Das interessierte die Besucher der Vortragsreihe „Ärzte im Dialog“ an diesem Abend im Klinikum ganz besonders. Verblüffend: Einer von mehreren Faktoren, die zu Ablagerungen in der Gallenblase und damit zur Steinbildung führen können, kann tatsächlich eine Fastenkur sein – wenn sie dazu führt, dass die Gallensäuren abfallen und das Cholesterin steigt. In der Gallenblase machen Steine meist keine Beschwerden, wohl aber, wenn sie in den Gallengang gelangen und dort den Abfluss der Gallenflüssigkeit behindern. Das ist freilich noch die bessere Variante, denn für einen Stau kann auch ein Gallenwegstumor verantwortlich sein – auch wenn das recht selten ist.
Die Diagnose gehe zügig von der Hand, so Dr. Schmidt: Im Labor werden Marker ermittelt, die den Ärzten Aufschluss geben, unter anderem der Bilirubinwert, Leberenzyme und – routinemäßig – CA19-09, ein Laborwert, der auf Bauchspeicheldrüsenkrebs hinweisen kann. Wo viele Patientinnen und Patienten heute am liebsten eine Untersuchung im Computertomografen (CT) hätten, wie der leitende Mediziner weiß, ist das erste Mittel der Wahl des Gastroenterologen der Ultraschall. „In der Hand eines erfahrenen Arztes kann dieses Verfahren ganz viel zeigen“, versicherte Dr. Jürgen Schmidt seinen Zuhörern. In exzellenter Auflösung sieht der Gastroenterologe alle Details, wenn er nach einem externen Ultraschall zur Endosonografie schreitet. Das ist, wenn man so will, eine Ultraschalluntersuchung von innen, die im Klinikum Landkreis Tuttlingen rund 800 Mal pro Jahr stattfindet. Dabei wird ein Endoskop mit einer Schallsonde durch die Speiseröhre des narkotisierten Patienten geführt.
Mit einem anderen Verfahren, der endoskopisch-retrograden Cholangio-Pankreatikographie, kurz ERCP, stellen die Ärzte mit Hilfe von Kontrastmittel die Gallenwege und das Gangsystem der Bauchspeicheldrüse dar. Damit können zum Beispiel Gallensteine und Engstellen erkannt und behandelt werden. „Das machen wir jeden Tag“, plauderte der Chefarzt aus dem Nähkästchen.
Zum Einsatz kommt nicht selten auch das Cholangioskop, ein teures Einmalgerät, das nach Gebrauch weggeworfen werden muss. Dr. Schmidt beschrieb, wie er und seine Gastroenterologen damit schonend Gallensteine in kritischer Größe beseitigen: Diese Methode – eine feine Stoßwellensonde am Ende des Endoskops zerlegt den Stein – ist wesentlich sicherer, als ihn wie früher mechanisch zu zertrümmern. Gegen bösartige Geschwüre in den Gallengängen setzen die Tuttlinger Mediziner die Radiofrequenzablation ein. Dabei verödet hochfrequenter elektrischer Strom das Tumorgewebe, sodass die Gallenflüssigkeit wieder abfließen kann. „Spezialbehandlungen wie diese nehmen enorm zu“, konstatierte der Chefarzt. „Man kann über das Endoskop Probleme sanft lösen und muss nicht mehr den Bauch aufschneiden.“
Große therapeutische Bedeutung haben in diesem Zusammenhang auch Stents aus Kunststoff oder Metall in der Gastroenterologie gewonnen. Das sind medizinische Implantate, die verengte Gallenwege wieder öffnen, damit die Galle abfließen kann, die in der Leber gebildet wird und von dort über die Gallengänge in die Gallenblase und den Dünndarm fließen können muss. Stents zu setzen dauert nur wenige Minuten– meist im Zuge einer ERCP. Gerade an einer Gallenblasenentzündung erkrankten Patienten kann dieses Prozedere das Leben erleichtern, denn wenn Eiter und Steine durch die künstliche Verbindung ablaufen, geht es den Betroffenen schon kurz darauf wieder besser.