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Umhüllt wie von einem Mantel

Erfahrene Palliativmedizinerinnen erläutern, wie Menschen in ihrer letzten Lebensphase umfassend betreut werden

„Pallium“ nannten die alten Lateiner ihren Umhang. Von diesem Wort abgeleitet ist unser Begriff „Palliativmedizin“, die zum Einsatz kommt, wenn keine Aussicht auf Heilung mehr besteht – sie soll die Patientin oder den Patienten „umhüllen wie ein Mantel“. So drückte es Claudia Teichmann aus, die Leitende Oberärztin der Altersmedizin am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT), die außerdem Palliativmedizinerin ist. Im Zuge der Reihe „Ärzte im Dialog“ sprach sie zusammen mit ihren Kolleginnen Dr. Birgitta Reimann und Anne Hartmann über das, was Ärzte und Pflegekräfte noch für Sterbende tun können.

Das ist ein schweres Thema, doch in einer alternden Gesellschaft ein zunehmend wichtiges. Deshalb war das Publikumsinteresse verhältnismäßig groß – Menschen, die mit dem eigenen oder dem Tod ihrer Angehörigen konfrontiert sind, ist es wichtig, gut und schmerzfrei zu sterben. Und noch wichtiger, bis zum letzten Atemzug möglichst gut zu leben.

Auf ebendiesem Prinzip setzt Palliativmedizin auf. Ihr gehe es darum, Schmerzen zu lindern, erklärte Leitende Oberärztin Claudia Teichmann, die in der geriatrischen Klinik mit ihren Kolleginnen und Kollegen immer wieder hochaltrige Palliativpatienten betreut. Und zwar ganzheitlich. Denn nicht nur der Körper, sondern auch Seele und Geist leiden, wenn Menschen tödlich verlaufende Krankheiten haben wie etwa Krebs, schwere Herzleiden oder Lungenkrankheiten. Der Therapieansatz sei multimodal – Palliativteams wenden also mehrere Behandlungsmethoden an.

Ein wesentlicher Baustein hierbei ist die Schmerztherapie, wie Dr. Birgitta Reimann erläuterte. Die Oberärztin der Klinik für interdisziplinäre Schmerztherapie verfügt ebenfalls über eine langjährige Erfahrung als Palliativmedizinerin und weiß, dass die meisten Sterbenskranken unter Schmerzen leiden; bei Tumorpatienten seien es „60 bis 95 Prozent“. Vorteilhaft sei allerdings, dass Ärzte Schmerzen mit Medikamenten unterschiedlicher Stärke gut in den Griff bekommen. Auch Cannabis habe sich als nützlicher Therapiebaustein erwiesen. Hilfreich für die Betroffenen, weiß Dr. Reimann, ist stets auch die psychotherapeutische Betreuung. Schließlich schlägt eine tödlich verlaufende Krankheit aufs Gemüt.

Dass palliative Betreuung nicht nur im Krankenhaus stattfindet, sondern auch zu Hause, machte Anne Hartmann deutlich, die im KLT gearbeitet hat und sich aktuell im Palliativnetz Landkreis Tuttlingen e.V. engagiert. Der Verein bietet eine spezialisierte Versorgung zu Hause an, um Menschen mit tödlich verlaufenden Krankheiten zu ermöglichen, die verbleibende Lebenszeit in den eigenen vier Wänden menschenwürdig und selbstbestimmt zu gestalten. Diese haben gesetzlichen Anspruch auf die Spezialisierte Ambulante Palliativ Versorgung (SAPV), die der Zusammenschluss palliativmedizinischer Fachleute aus Pflege und Ärzteschaft anbietet.

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